Nun gut, manche Dinge muss man ertragen. Bin also pünktlich und doch sind schon drei Leute vor mir. Ich grüsse freundlich in die Runde, mein Gruss wird mit ängstliche Blicken und zurückhaltendem Kopfnicken erwidert. Ich stehe am Tresen, niemand ist da. Aber ein grosses Hinweisschild sticht mir ins Auge: “Legen sie ihre Karte der Reihenfolge nach auf das Tablett. Setzen sie sich. Hier geht alles seinen ruhigen Gang. Hm, ein Fragezeichen breitet sich in meinem Kopf aus, fehlt hier nicht noch die Aufforderung dem Mund zu halten? Dann kommt sie, die Sprechstundenhilfe. Eine frustriert dreinschauende Frau so um die fünfzig, etwas übergewichtig. In ihrer weissen Jeans ist ein breiter Hintern fest eingepackt und ihre Gesundheitschuhe sind breit getreten. Ihre rot-grauen Haare stehen wirr, kraus und ohne nennenswerte Frisur von ihrem Kopf ab. Ein echter Dragoner! Kein Gruss, dafür ein empörter Blick. “Haben sie einen Termin?” werde ich forsch gefragt. “Ja, einen Termin auf warten.” Ich nenne unaufgefordert meinen Namen, was mir noch einen empörten Blick einbringt. Sie fängt an zu suchen und findet mich nicht. “Sind sie privat versichert?” Ihr Ton hörte sich eher an wie, “sind sie e t w a privat versichert !?” Ja, die arme Frau hat es wirklich nicht leicht. Endlich findet sie meine Akte und geht damit raus. Eine neue Patientin kommt rein, liest das Hinweisschild, kramt in ihrer Tasche, legt ihre Karte ordentlich unter meine und setzt sich. Der Dragoner kommt wieder ins Wartezimmer. Kein Gruss. Die neue Patientin soll ihren Namen sagen. Sie sucht und findet ihre Akte und legt sie ordentlich unter den Stapel, das kann sie ganz gut. Die neu eingetroffene Patientin erhebt sich leicht von ihrem Stuhl und will in Richtung Dragoner etwas fragen. Ein zwei Worte hat sie schon rausgebracht, da wird sie jäh unterbrochen. Der Dragoner reckt den Zeigefinger in die Luft und spricht mit hoch gestrecktem Kinn in Richtung der Fragerin und auch gleich noch in die ganze Patientenrunde, nein sie spricht nicht wirklich, sie warnt eher. ”Hier wird nicht gefragt und nicht gesprochen, hier ist ein Raum der Stille!”, und verweist mit ihrem nun noch höher gerecktem Finger auf die buddhistischen Ornamente an der Wand im Hintergrund. Der fragenden Patientin bleibt der Mund offen stehen; dann sackt sie in sich zusammen und setzt sich und schliesst den Mund. Sie schaut mich verwundert- fragend an. Der Patient zu meiner Linken, ein Engländer, schaut verzweifelt empört und schämt sich fremd. So was begegnet ihm in seiner Heimat wohl eher nicht. Der dritte Patient streckt die Beine aus und verschanzt sich hinter seiner Schirmmütze. Eine weitere Patientin betritt den Raum, bleibt wartend am Tresen stehen. Ihre Stirn ist ganz feucht, ihre Wangen glühen und ihre Augen liegen in tiefen Höhlen. Ganz offensichtlich ist sie krank. Sie wartet ein Weilchen, als keiner kommt sackt sie auf den Hocker der am Tresen steht. “Haben sie eine Termin !?” wird auch sie dann angeherrscht. Sie verneint und sagt dass es ihr schlecht geht und sie warten will. “Sie müssen wieder gehen wir haben keinen Termin mehr auf Warten”. Die arme Kranke schaut verdutzt, hat aber offenbar keine Kraft für Widerworte. Statt dessen setzt sie sich auf eine Stuhl zu den anderen Wartenden. Ich komme dran. Gespräch mit der Ärztin, danach die Entscheidung für Blutabnahme. Ich gehe ins Labor. Sitzend beuge ich mich vor und lasse meine Arme hängen, mach ich immer so. Hab nämlich keine guten Venen und auf diese Weise staut sich das Blut ganz schön und mein Arm gibt besser Blut her. Der Dragoner kommt rein, quittiert meine ungewöhnliche Haltung mit Kopfschütteln. Deutet mir, ich soll meinen Arm auf die Ablage zu legen. Nun liegt mein Arm nach oben, das kann ja auch nicht richtig sein. Ich wehre mich nicht, denn ich denke, wenn ich jetzt was Falsches sage, schneitet sie mir den Arm ab. Sie betatscht mich, keine Handschuhe keine Desinfektion. Sehr freundlich frage ich ob es möglich währe, dass sie sich die Hände wäscht bevor sie mich anfasst. O je, da war es das falsche Wort. Mit schriller Stimme kreischt sie; ”Ich habe doch noch gar nicht angefangen! “ und wird zornesrot im Gesicht. Ich entschuldige mich, ( hier sei angemerkt das ich die Ärztin sehr gut leiden kann und ich längst bemerkt habe, dass diese Sprechstundenhilfe eine Notlösung oder eine Vertretung sein musste, also nicht für immer da sein würde.) so von wegen dass ich da sehr empfindlich sei. Sie aber schaut mich beschwichtigend an und sagt, “machen sie sich mal keine Sorgen, wir haben hier noch ganz andere psychiatrische Patienten, mit ihnen werde ich schon fertig” und wäscht sich ausgiebig die Hände. Sie findet keine Vene, ich sage sie soll doch den Handrücken nehmen.”Wie? das tut doch weh?”, ja sage ich ”das tut weh”. Sie macht sich über meine Hand her, schiebt eine Schmetterlings-Nadel in meinen Handrücken, klebt sie aber nicht fest. Dann läuft das Blut, während es das tut, wedelt sie fleissig mit dem Schlauch hin und her. Sie wartet auf mein Jammern, aber ich verziehe keine Miene. Als ich letzthin ein Rezept abgeholt habe, war sie nicht mehr da. Meine Ärztin fragt mich, ob ich mich vor dem Arbeitsgericht als Zeugin zur Verfügung stellen würde. Leider gibt es keine Gerechtigkeit, denn bei der Verhandlung es ist auf einen Vergleich rausgelaufen. Eigentlich muss so jemand doch Berufsverbot bekommen.
Mittwoch, 20. Mai 2015
Militante Sprechstundenhilfe
Nun gut, manche Dinge muss man ertragen. Bin also pünktlich und doch sind schon drei Leute vor mir. Ich grüsse freundlich in die Runde, mein Gruss wird mit ängstliche Blicken und zurückhaltendem Kopfnicken erwidert. Ich stehe am Tresen, niemand ist da. Aber ein grosses Hinweisschild sticht mir ins Auge: “Legen sie ihre Karte der Reihenfolge nach auf das Tablett. Setzen sie sich. Hier geht alles seinen ruhigen Gang. Hm, ein Fragezeichen breitet sich in meinem Kopf aus, fehlt hier nicht noch die Aufforderung dem Mund zu halten? Dann kommt sie, die Sprechstundenhilfe. Eine frustriert dreinschauende Frau so um die fünfzig, etwas übergewichtig. In ihrer weissen Jeans ist ein breiter Hintern fest eingepackt und ihre Gesundheitschuhe sind breit getreten. Ihre rot-grauen Haare stehen wirr, kraus und ohne nennenswerte Frisur von ihrem Kopf ab. Ein echter Dragoner! Kein Gruss, dafür ein empörter Blick. “Haben sie einen Termin?” werde ich forsch gefragt. “Ja, einen Termin auf warten.” Ich nenne unaufgefordert meinen Namen, was mir noch einen empörten Blick einbringt. Sie fängt an zu suchen und findet mich nicht. “Sind sie privat versichert?” Ihr Ton hörte sich eher an wie, “sind sie e t w a privat versichert !?” Ja, die arme Frau hat es wirklich nicht leicht. Endlich findet sie meine Akte und geht damit raus. Eine neue Patientin kommt rein, liest das Hinweisschild, kramt in ihrer Tasche, legt ihre Karte ordentlich unter meine und setzt sich. Der Dragoner kommt wieder ins Wartezimmer. Kein Gruss. Die neue Patientin soll ihren Namen sagen. Sie sucht und findet ihre Akte und legt sie ordentlich unter den Stapel, das kann sie ganz gut. Die neu eingetroffene Patientin erhebt sich leicht von ihrem Stuhl und will in Richtung Dragoner etwas fragen. Ein zwei Worte hat sie schon rausgebracht, da wird sie jäh unterbrochen. Der Dragoner reckt den Zeigefinger in die Luft und spricht mit hoch gestrecktem Kinn in Richtung der Fragerin und auch gleich noch in die ganze Patientenrunde, nein sie spricht nicht wirklich, sie warnt eher. ”Hier wird nicht gefragt und nicht gesprochen, hier ist ein Raum der Stille!”, und verweist mit ihrem nun noch höher gerecktem Finger auf die buddhistischen Ornamente an der Wand im Hintergrund. Der fragenden Patientin bleibt der Mund offen stehen; dann sackt sie in sich zusammen und setzt sich und schliesst den Mund. Sie schaut mich verwundert- fragend an. Der Patient zu meiner Linken, ein Engländer, schaut verzweifelt empört und schämt sich fremd. So was begegnet ihm in seiner Heimat wohl eher nicht. Der dritte Patient streckt die Beine aus und verschanzt sich hinter seiner Schirmmütze. Eine weitere Patientin betritt den Raum, bleibt wartend am Tresen stehen. Ihre Stirn ist ganz feucht, ihre Wangen glühen und ihre Augen liegen in tiefen Höhlen. Ganz offensichtlich ist sie krank. Sie wartet ein Weilchen, als keiner kommt sackt sie auf den Hocker der am Tresen steht. “Haben sie eine Termin !?” wird auch sie dann angeherrscht. Sie verneint und sagt dass es ihr schlecht geht und sie warten will. “Sie müssen wieder gehen wir haben keinen Termin mehr auf Warten”. Die arme Kranke schaut verdutzt, hat aber offenbar keine Kraft für Widerworte. Statt dessen setzt sie sich auf eine Stuhl zu den anderen Wartenden. Ich komme dran. Gespräch mit der Ärztin, danach die Entscheidung für Blutabnahme. Ich gehe ins Labor. Sitzend beuge ich mich vor und lasse meine Arme hängen, mach ich immer so. Hab nämlich keine guten Venen und auf diese Weise staut sich das Blut ganz schön und mein Arm gibt besser Blut her. Der Dragoner kommt rein, quittiert meine ungewöhnliche Haltung mit Kopfschütteln. Deutet mir, ich soll meinen Arm auf die Ablage zu legen. Nun liegt mein Arm nach oben, das kann ja auch nicht richtig sein. Ich wehre mich nicht, denn ich denke, wenn ich jetzt was Falsches sage, schneitet sie mir den Arm ab. Sie betatscht mich, keine Handschuhe keine Desinfektion. Sehr freundlich frage ich ob es möglich währe, dass sie sich die Hände wäscht bevor sie mich anfasst. O je, da war es das falsche Wort. Mit schriller Stimme kreischt sie; ”Ich habe doch noch gar nicht angefangen! “ und wird zornesrot im Gesicht. Ich entschuldige mich, ( hier sei angemerkt das ich die Ärztin sehr gut leiden kann und ich längst bemerkt habe, dass diese Sprechstundenhilfe eine Notlösung oder eine Vertretung sein musste, also nicht für immer da sein würde.) so von wegen dass ich da sehr empfindlich sei. Sie aber schaut mich beschwichtigend an und sagt, “machen sie sich mal keine Sorgen, wir haben hier noch ganz andere psychiatrische Patienten, mit ihnen werde ich schon fertig” und wäscht sich ausgiebig die Hände. Sie findet keine Vene, ich sage sie soll doch den Handrücken nehmen.”Wie? das tut doch weh?”, ja sage ich ”das tut weh”. Sie macht sich über meine Hand her, schiebt eine Schmetterlings-Nadel in meinen Handrücken, klebt sie aber nicht fest. Dann läuft das Blut, während es das tut, wedelt sie fleissig mit dem Schlauch hin und her. Sie wartet auf mein Jammern, aber ich verziehe keine Miene. Als ich letzthin ein Rezept abgeholt habe, war sie nicht mehr da. Meine Ärztin fragt mich, ob ich mich vor dem Arbeitsgericht als Zeugin zur Verfügung stellen würde. Leider gibt es keine Gerechtigkeit, denn bei der Verhandlung es ist auf einen Vergleich rausgelaufen. Eigentlich muss so jemand doch Berufsverbot bekommen.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen